ICH, der giftzwergMÄÄN, habe auch DICH im Auge! Eigentlich UNS alle.
Mein giftiger Stinkefinger ist die boshafte Kolumne/auch Satire, zuverlässig "politisch inkorrekt" *
- ein Ventil zum Alltäglichen in unserer Zeit u. Welt. Und natürlich bin ich, wie jeder andere auch, in letzter Konsequenz mitunter widersprüchlich. Das ist unumgänglich - niemand ist frei davon!
Es geht hier nicht in erster Linie um die ganz großen Themen der Zeit/Probleme der Menschheit - die tagtäglichen Ärgernisse sind es, die bei mir nach einem Regulativ schreien – Berichte aus einer oft schon recht madigen Welt.
Gut, ich könnte es abperlen lassen, cool darüber stehen, den "Geht-Mich-Nix-An" mimen, man kann es zeitgemäß optisch und akustisch verdrängen, damit es einen nicht krank macht – Ohrstöpsel, Glotze, die heute gängigen Ablenkungen also. Oder hier, mein Versuch: Einfach mal auskotzen - mich ohne Bedenken und bangevolle Rücksicht freimachen - für das eigene Dasein eine Schadensbegrenzung vornehmen - nach dem Motto "Alles muß raus!" Das kann sooo gut tun, mir behagt das letztlich.

Aussprüche, die mir hierbei helfen:
"Das ist der ganze Jammer: die Dummen sind so sicher und die Gescheiten voller Zweifel."
(Bertrand Russell)
Ich sage: gehen wir hin und zweifeln alles an, Grund genug besteht!
"Satire darf alles" meinte Tucholsky's Kurtchen.
Das hatte ich lange Zeit bezweifelt, unter Vorbehalt gesehen, aber jetzt sage ich:
Gut, der Mann!

*political correctness ... soll ein Fremdwort bleiben


Samstag, 7. Oktober 2017

Flohmarkt mal wieder

Flohmarkt mal wieder
(diesmal von der anderen Seite gesehen)
Ich sehe den Yuppie-Schnösel schon aus zig Metern Entfernung nähertänzeln. Er geleitet eine Grinse-Tussi, in seinem Besitzerarm eingewickelt – sie ist durch und durch blond, das kann ich schon hören.
Ausgerechnet an meinen Bücherkisten verharren sie; also er stoppt den Zweierverbund, mich schräg und schnell geringschätzig musternd. Er hat schon jetzt die volle Punktzahl bei mir.
Schauen wir mal, was wir hier so haben.“ Er klingt genauso wie er ausschaut, großkotzig, scheinbar jovial, selbstverliebt. Oh ja, so einen mag ich auf Anhieb.
Dürrenmatt, na wer sagt‘s denn!“ Natürlich näselt er modern. Prompt hebt sie entsprechend quäkend und kichernd zu „Dürr-was?“ an, da blättert er durch die gebundene Gesamtausgabe; er hat ihr den Schutz seines rechten Armes entzogen, sie schmiegt sich sofort an ihn, weiß so gar nicht, wohin sie schauen soll - ins Buch auf keinen Fall. Sie schaut für alle Fälle zu ihm hoch. Ich warte, daß sie keck ein Beinchen hochstellt – na, kann nicht lange dauern.
Wieviel?“ fragt er hochmütig, und ich weiß, die drei Euro akzeptiert er nicht, er will sich ja in seiner Selbstbewunderung produzieren – und mich nebenher noch vorführen.
Was? Hab‘ ich richtig gehört? Soso, drei Euronen. Nicht gerade meine Preisvorstellung, ist ja hier keine Buchhandlung – kann man am Preis noch was machen?“ Affektiert und breit grinst er mich mit seinem blendend weißen Zahnpasta-Reklame-Gesicht an, derweil sie mit offenem Mündchen aufgeregt von ihm zu mir mit törichtem Augenaufschlag schaut. Er überfliegt das Inhaltsverzeichnis, meint nun glänzen zu müssen und schnarrt: „Nicht mal Es geschah am hellichten Tag ist drin!“ Ich gebe ihm zu verstehen, daß die Novelle im Original schließlich Das Versprechen heiße. Schnell geht er über meinen Einwand hinweg und wendet sich an seine gickelige Schnepfe. „Hat er für den Rühmann geschrieben, weißte!“ Sie schaut ihn leer an. „Der Filmklassiker – kennste!“ schickt er nach, immerzu sich eine Gel-Tolle vom linken Auge streichend. Mir wird langsam schlecht, ich halte mich aber zurück. „Was Du auch alles weißt, Schnucki!“ zirpt sie ihn schmachtend an.
Also – neuer Preis?“ Sogar durch Hochziehen der Augenbrauen versucht er sich noch größer zu machen. Ist das Kajal an seinen Augen? Vor mir hat sich nun ein Prachtbild von einem ewig jugendlich dynamischen Mann mittleren Alters aufgebaut, wie ein entlaufener Kleiderständer mit den angesagten Marken. Bestimmt Abiturient fürs Leben. Der Drei-Tage-Bart hat sicherlich viel Aufwand erfordert. Oh, wie bin ich oller Bücher-Verscherbeler beeindruckt. Wo er sich doch bereits als versierter Literatur-Durchblicker zu erkennen gegeben meint.
Klar doch“, sage ich, „am Preis kann ich was machen – sagen wir, weil Sie es sind: drei fünfzig?“ Er ringt nach Luft, mies gespielt wie von einem zweitrangigen TV-Soap-Darsteller. Die Anschmiegsame scheint meine kühne Forderung sogar leidlich verstanden zu haben, reißt Augen und Mund auf und kichert mit ihm irritiert um die Wette, voller Verunsicherung den Blick hin- und herwerfend. Bestimmt geraten beider Duftwolken nun durcheinander.
Also klar Meister – nach unten natürlich!“ Beide verdrehen einträchtig die Augen. Er weist herrisch mit vermutlich manikürten Fingerchen auf den Boden vor sich.
Ich schaue kurz aber betont über meinen Stand hinüber, direkt vor den beiden auf den Boden. „Nun gut, ich will nicht so sein, kann Sie doch gut verstehen – wir sind bei drei fünfzig – ich gehe runter auf … drei Euro – mehr Entgegenkommen ist aber nun wirklich nicht drin.“ Tückisch mache ich eine Kunstpause. „Hören Sie mal genau hin, kriegen Sie es mit?“ Verschwörerisch vereinnahme ich beider Aufmerksamkeit. „Können Sie es hören? Bis hier ist es zu vernehmen.“ Zwei blöde Gesichter starren mich an. „Hören Sie mal…“ Gebieterisch hebe ich einen Zeigefinger, unwillkürlich kommen die beiden teuer frisierten Köpfe ein wenig näher – und ich wispere unheilschwanger: „Meine Kinderchen schreien nach Brot.“
Er greift sein Blondchen so plötzlich, daß sie fast hinfällt, ehe sie wieder ihre Stöckelschuhe staksig in tackernden Trippelschritt bringt. Ihr Seitenblick streift mich voller Verachtung, als wäre mir das Geschäft meines Lebens entgangen: das habe ich nun davon. Irgendwas flucht er höhnisch prustend vor sich hin und findet wohl auch Beschreibungen für mich, denn sein Liebchen pflichtet ihm eifrig bei.
Sicherlich werde ich heute Abend wieder mit Tränen im Bett liegen – vor Lachen.

Mittwoch, 27. September 2017

Die Crux in der Kunst

Die Crux in der Kunst
(hier am spezielle Beispiel von Literatur und Film)


Nicht auszudenken, eine Weltgeschichte der Literatur (gilt übrigens auch für die Welt des Films) – OHNE Schilderung des eigenen Lebens der Schreibenden – und damit verbunden deren persönliche Umfelder: Familie, Beruf, eben die sie umgebenden Menschen, gemachten Erfahrungen und deren Erlebnisse. Da bliebe nicht viel übrig, glauben Sie mir.
Mir fällt da soeben Berthold Brecht ein, der sinngemäß verlauten ließ, für die Familie des Dichters sollten dessen Bücher verboten sein. Ich hole weiter aus: Dem ganzen Umfeld des Schriftstellers sollte der Zugang unmöglich gemacht werden, es wäre friedvoller. Es liegt doch auf der Hand, alle wollen nur zu gerne alles wissen: Aber nichts so wirklich über sich selber, fühlt sich doch gleich jede und jeder falsch dargestellt, auch wer nur im Ansatz als Orientierung erkennbar zu sein scheint (und der Knaller: manche erkennen sich selbst gar nicht als Vorlage – aber hämisch die anderen drum herum!).
Fast alle mögen Krimis – keiner würde aber gerne Täter oder gar Opfer sein. Begeistert in die Töpfe anderer reinschauen, völlig klar, nur „in mein Dippe aber schaut mir keiner!“ Es ist die Natur des Menschen, neugierig zu sein, aber gerne die eigene Privatsphäre weitgehend zu wahren. Es gibt hierzu wunderbare Anekdoten aus der Literaturgeschichte (z.B. Thomas Mann am Krankenbett von Gerhart Hauptmann, der sich später im Werk seines Nobelpreis-Nachfolgers wiedererkannte, sich unvorteilhaft geschildert empfand und es diesem bis ans Ende seiner Tage verübelte). Köstlich, noch in den höchsten Regionen der Literatur diese Eitelkeiten! Niemand ist also frei davon.
Ach, Hand aufs Herz: Nahezu jeder Mensch sieht sich im Grunde gerne gut wahrgenommen, doch bitte überaus positiv – möglichst im eigenen Sinne.
Was hierbei nicht bedacht wird, ist die nüchterne Erkenntnis, daß es stets nur DIE EINE Wahrheit ist. Es gibt mehrere – nämlich so viele, wie es Sichtweisen gibt. Und da rede ich noch nicht einmal von künstlerischer Freiheit, vom Verfremden, von Phantasie, oder einfach nur dem Hinzufügen oder Weglassen.
Es ist wie bei einem Unfall mit den Zeugenaussagen: Jeder hat es anders wahrgenommen, stellt Details anders dar, meint sich an etwas mehr zu erinnern oder weiß von irgendetwas nichts – gezielt oder unbewußt auslassend.
Nehmen Sie eine einfache Liebesbeziehung zwischen ZWEI MENSCHEN (an dieser Stelle bitte beachten: mein Bemühen, gendergerecht zu formulieren - irgendeine Spitze muß schon sein) – an die gemeinsame Liebe ist viel an beiden subjektiven Erinnerungen deckungsgleich, aber hören Sie mal beide Seiten, wenn es den Bach runtergeht…objektiv geht mit Sicherheit gar nichts!
Reine Phantasie ist kaum machbar. Immer wird alles irgendwie und durch irgendwas beeinflußt (nicht nur im Zeitgeschehen, dies gilt auch für das Genre mit utopischen und weltfernen Irrealitäten). Denn der Mensch, der schöpferisch tätig ist, kocht letzten Endes auch nur mit Wasser. Aber irgendwo muß er es auch herholen. Niemand wird von Luftsuppe satt. / Nahezu ausschweifend habe ich mich schon ganz früh hierzu ausgelassen*
Mit anderen Worten: Für jedes GELUNGENE literarische Erzeugnis (gilt auch für Filme) wird es Beifall geben, Lobhudelei auf breiter Front – aber irgendwo in einer Nische… wird geschmollt. IMMER! Und mit diesem Risiko leben AutorINNen (ich habe es wieder getan) wie Filmschaffende. Und nun sage noch einer, es sei kein gefährlicher Beruf!


*Über das Schreiben, die Literatur und das Menschsein, Essays und Dissertation
(1969 - 1974)

Montag, 18. September 2017

Besondere Eigenheiten

Marotten, Macken, Spleene, Ticks
(die kleinen Unterschiede)
Bei Kolumnen gerät man schnell ins Labern, Gedanken frei Schnauze absondern, auch grobe Klarheiten nicht nur für andere locker bekakeln. So geht es mir hier um die Gleichheit der Menschen. Ja, Grundgesetz: Alle Menschen sind gleich – der Gleichheitsgrundsatz – was aber bedeuten soll, daß alle von gleichem Wert sein sollten. Kühnes Ansinnen, aber daß sich alle gleichen, ist eh eine Phantasie. Ich will nun gar nicht mit Fingerabdruck, Iris und was es sonst noch so an individuellen Merkmalen gibt anfangen, es reicht, die einzelne Kreatur zu betrachten: „NiemandIN“ (der mußte nun sein, wie gesagt, Kolumne) gleicht auch nur sich selber (die zwei Hälften des Menschen: absolut nicht symmetrisch). Und das sind ja nur Äußerlichkeiten. Was hier mein Thema sein soll, sind lediglich die inneren „Werte der speziellen Art“.
Vor vielen Jahren hatte ich ein launiges Gespräch mit dem Personalchef, der verbal die Hände über dem Kopf zusammenschlug, was für ein schräger Vogel sein Vater sei: der decke abends immer schon den Tisch für morgens …Teller, Tasse, Besteck – ein Ritual in einem Zeitwert von rund zwanzig Sekunden oder so. Er lachte über seinen alten Herrn; daß er dessen Verstand aber in Zweifel zog, war unüberhörbar.
Ich hörte es mir an, dachte an meinen Vater, der als letztes Familienmitglied zu Bett ging, zuvor aber noch an der Wohnungstür, leise zählend, fünfmal die Klinke runterdrückte und rüttelte, was das Zeug hielt. Meine Mutter fiel mir ein, die auf wenig im Leben bestand, allerdings Wert darauf legte, daß die Küchenuhr, IHRE UHR, stets zehn Minuten vorgestellt zu sein hatte – und da verstand sie keinen Spaß, wenn man auch nur wagte, daran zu rühren ( ihre Begründung war der sie so gnädig erleichternde Moment: „Mein Gott, schon sooo spät – ach nein, sind ja noch zehn Minuten mehr Zeit!“). So lebten wir – und damit lebten wir. Wem schadet das?
Ich kommentierte das vorwurfsvolle Entsetzen des vorgesetzten Beamten nicht weiter, warum auch, gehörte er doch zu denen, die ich auch heute noch im nostalgischen Berufsrückblick allgemein als erträglich bezeichnen kann (und das ist gewiß eine gehobene Kategorie).
Ich erwähnte meine Eltern also in dem Moment nicht, was mit Sicherheit ein beflissener Radfahrer spornstreichs arschkriecherisch getan hätte. Viel naheliegender war für mich ihm klarzumachen, daß ich das prima fand, das mit seinem Herrn Vater – und daß ich es auch so handhabe (was damals, ehrlich zugegeben, noch nicht zutraf). Er erschrak ein wenig, da ihm auch nur der Ansatz zur Einsicht in das befremdliche Verhalten völlig abging. Ich erklärte es ihm: Wenn man ein wenig zur Melancholie neigt, und ich rede hier nicht von Depression, dann ist dies ein momentanes Gefühl der leichten Befriedigung sich zu vergegenwärtigen, es ist schon etwas „vorbereitet“ – man fängt also den Morgen nicht bei NULL an, es ist schon etwas zu sehen, bereits getan. Der alte Herr hat sich selber den Anstoß für den Tag gesichert. Ich rieb ihm nun nicht unter die Nase, daß sein Vater schließlich Witwer sei, ob er daran gedacht habe. In meinen Augen verschaffte sich der gute Mann damit eine kleine Lebenshilfe, eine Krücke.
Natürlich begriff es mein Gegenüber nicht, und so vertieften wir es auch nicht – es ist wie der Streit um Kunst, Geschmack schlechthin – es bringt nichts. ManIN (noch mal so ein kleiner Kick!) fühlt es – oder auch nicht.
Wann ich wirklich begann, abends und seit einigen Jahren sogar in der Nacht, Vorbereitungen für den kommenden Tag zu treffen, weiß ich nicht mehr genau zu sagen – aber es hilft mir: Ich helfe mir also selber. Ich saufe nicht, rauche rein garnichts, ich schlucke auch keine nennenswerten Pillen, aber ich verfüge über meine eigene Lebenszeit nach meinem Gutdünken.
Schön, keine Rechenschaft schuldig zu sein / reine Vernunft offenbaren zu müssen. Der Wert, den auch nur so eine kleine Eigenheit hat, den kann eine außenstehende Person ohnehin nicht nachvollziehen – also. „so what“, wie es so schön neudeutsch heißt.

Samstag, 2. September 2017

C-Promis

Der Promi-Händler

Sklavenhändler, sagte neulich einer. Soviel vorweg: Keiner wird gezwungen, alles ist freiwillig – Gedanken an Sklavenhandel weise ich entschieden zurück. Absoluter Blödsinn!
Es gibt ungeschriebene Gesetze, aber es gibt keine Garantien. Mit einem Hit von vor vierzig Jahren läßt sich auch weiterhin noch leben, mit einem Bestseller vom letzten Jahrzehnt nicht. Olympiasieg oder Weltmeistertitel sind keine Garanten für unsterblichen Ruhm. Die Ex von jemand Bekanntem sein kann weiter tragen, ein alter Mime ohne neue Filme kommt nicht mehr zurecht. Traurig zwar, aber nüchtern gesehen: die Realität. Es ist eine harte Zeit geworden. Auch ich muß sehen, wo ich bleibe in diesem Optimierungsrausch.
Und damit sind wir auch schon bei den beiden Gruppen meiner Klientel: Die schon einen Namen mitbringen, also Altlasten einerseits (Vorsicht vor der Falle „Tragik“), und die Träumenden, die „Ich-möchte-so-gerne-einmal“-Leute. Diese Neulinge sind mir weitaus lieber. (Posieren, das haben die Mädels schon früh geprobt, umso besser, die smarten Softiebuben sind schwerer zu lenken.)
Ich will mal so sagen: Wenn man den erfahrenen Prachtfisch am Haken hat, den echten Prominenten, sich wirklich ganz und gar auf dessen Management versteifen kann: Der Joker. Aber das ist nur wenigen vergönnt. Die Schar der Willigen, frech gesagt, C-Klasse, alt wie neu, ist schier unüberschaubar. Und sie brauchen eine Hand, die sie lenkt. Und nur aufs Pferd helfen, um sie dann davonreiten zu sehen, also bitteschön, blöde bin ich ja auch nicht. Wer bei mir „Vertrag hat“, wie es heute so schön in der Fußball-Dumpfbacken-Sprache heißt, der ist mir auch für längere Zeit verpflichtet. Nur durch mich erhält SIE oder ER die Chancen, Sprungbretter zu nutzen, zum Beispiel erster „Roter Teppich“ (Red Carpet, aber ich will mich bemühen, unseren üblichen internationalen Jargon zurückzustellen). Mit der unumgänglichen Unterschrift zu meiner Absicherung beginnen ja meine Bemühungen für den „Möchtegern-Star“, und es ist nicht immer alles erfolgversprechend, sie machen meist die Anfängerfehler – auffallen, auf jeden Fall, aber nicht überziehen: Das Gesetz Weniger ist mehr gilt unbedingt. Für den potentiellen Skandal ist nicht jeder geeignet. Manchmal ist für ein hübsches Gesicht schon eine kleine Rolle in einem Werbeclip der Start, entsprechende weibliche Körper an die Seiten von B-Promis platzieren und zu Galas führen – ideal. So manche Operation (Optimierung!) kann unerläßlich sein, auch bei Herren, Metrosexuell ist heute ein Zeitzeichen.
Auffallen, in den Fokus rücken, ganz ganz wichtig. Wenn sie erst mal bei Preisgalas auflaufen, die halbe Miete. Wenn dann schon mehr Angebote kommen, die Zeit des Klinkenputzens der Vergangenheit angehört, dann kommen wir ins Rennen. Deshalb ja die Klauseln auf Jahre. Oft wird dann schon gemault, zu gerne würden sie aus dem Vertrag raus, aber so läuft das nun mal nicht – ich habe den ersten Schritt ermöglicht, nun haben sie gefälligst abzuliefern, also Einsatz und einen netten Obulus an mich, ohne Moos nix los, nicht wahr? Ich habe ja investiert. Sie tauchen dann in der obligaten Presse (Yellow Press) auf, kommen möglichst häufig in den Boulevardmagazinen vor …egal, wenn nicht nur positiv: markant sein, sich eine Marktlücke erkämpfen, so lautet die Devise. Was soll‘s, wenn sie mit einer Schwäche/einem Makel daherkommen: das kann doch ihr Markenzeichen werden! Sich davon zu distanzieren ist todsicher Harakiri, dann sind sie wieder im Meer des Nichts. Und sie wollen doch Promis sein, also dann bitte bei der Stange bleiben. Ein neues Image könnte später zur Debatte stehen, wenn sie richtig Fuß gefaßt haben, nicht früher. Eine „Umdeutung“, also neue Präsentation, birgt gewaltige Risiken. Daran zunächst noch nicht einmal denken.
Und wenn erst mal das Trash-TV erreicht ist, dann ist es eigentlich geschafft. Dschungel, Kochshows und Klamottensendungen, Auswandern oder Gärten betreuen, Reparieren und Testen, es gibt Dutzende von Doku-Soaps, wer sich da seinen Platz erobert, ist in trockenen Tüchern. Singerei, Big-Brother-Formate – hervorragend! Talkshows – ganz große Klasse! Und Tanzen natürlich nicht zu vergessen! In jedem Falle will ich beteiligt bleiben, so schnell lasse ich sie dann nicht vom Haken, ich bin ja nicht bescheuert. Sie haben ihren Willen, ich mein garantiertes Auskommen.
Schauen Sie: Hausjurist, Sekretariat, das alles will unterhalten sein. Meine Firma, Umschlagplatz für alle Verträge. Und meine Leute wollen ordentlich bezahlt sein. Also muß von der Klientel abgeliefert werden. Nicht immer klappt es, meistens eigentlich nicht, Eintagsfliegen, aber es steht ihnen nicht auf die Stirn geschrieben, ob sie allem gewachsen sind. Und das ist auch für mich spannend. Wer zeigt Potential, wer hat das Zeug, sich zu bewähren, einmalige Chancen beim Schopf zu fassen – immer wieder eine ungewisse Herausforderung. Also – ich finde das spannend!
Wenn dann mal Sucht-Vorfälle und Depri-Phasen kommen, übrigens häufiger als man denkt, muß das nicht geschäftsschädigend sein. Richtig ausgeschlachtet liegt bei manchen hier ihre echte Berufung. Tragik ist nicht gleich Tragik. Klingt vielleicht hart, aber glauben Sie mir, nur zu gerne machen sie letztendlich mit. Von ihnen selber kommt der Ruf aus einer Klinik oder von einem Rückzugsort, sie haben Blut geleckt, dankbar sind sie, wenn ich der Presse Hinweise gebe und Paparazzi ganz zufällig ihre Kreise „stören“. Das ist sehr oft abgesprochen, von mir gecoacht und eingefädelt! So läuft das! Fettnäpfchen, gut platziert, sind Sprungbretter, wenn sie richtig genutzt werden. Das richtige Format ist Grundlage für die Weiterführung (bei Stars von gestern gibt es Plattformen, wo das Publikum mitgealtert ist, man mag es Tingelei nennen, also „Revival-Shows“ – das kann sehr lange gutgehen und tragen).
Ich neige auch zu Szenen: Meine Güte, mußte sie jetzt mit dem in die Kiste springen, herrje, konnte er denn nicht dieses eine Mal die Faust in der Tasche machen – Du lieber Himmel, ausgerechnet jetzt lassen sie das Maul laufen, es ist doch gar nicht abgecheckt, was wir daraus machen können. Spannend, wie gesagt, die Aufgabe, das Problem zu lösen, nicht unbedingt zu beseitigen: Was draus machen! Ich mag meinen Beruf.
Gerne auch eine Liaison anstreben, untereinander mit Win-Win-Aussicht – der Zeitraum kann sogar im Voraus abgeklärt werden; und wenn’s mal läuft – Wiederholungen. Bruch – gerne, aber laut! Alles ist möglich und weitestgehend erwünscht. Kriegen sie sich oder haben sie noch, wundervolle Angebote für das Publikum. Ein Kardinalfehler, davor zurückzuschrecken! Den Leuten das Miterleben bieten, hautnah – da kann nichts verkehrt dran sein.
Manche bleiben auf der Strecke, dann erkenne ich auch, daß es keinen Zweck mehr hat, zu investieren. Der Kampf gegen die Halbwertzeit; sie tun einfach alles, das ist das Gute. Keine Grenze zur Peinlichkeit, kein Schamgefühl: heute unersetzbar. Sonst brauchen wir gar nicht erst anzufangen. Auch die noch so kleine Randnotiz, das Erscheinen auf Sammelfotos – alles kann der Beginn für das Showgeschäft sein. Und wer es nicht will, der muß halt selber weitersehen. An Nachrückern mangelt es gewiß nicht, unzählbar die Schar derer, die vom Kuchen abbekommen wollen. Also müssen sie auch was dafür tun – nur sich ins Blitzlichtgewitter werfen, klappt nur als Lotteriespiel – richtig aufgebaut werden, sich einlassen, dann ist auch viel möglich. Garantien gibt es niemals. Wer seinen Vertrag voll erfüllt hat, kann letztlich auch gehen, bitte, dort ist die Tür. Aber ich sichere mich ab, da gibt es juristische Finessen, wie ich mir auch meinen Anteil sichere, wenn sie glauben, mir entkommen zu sein. So nicht! Es ist ein Geschäft, ich bin Geschäftsmann und es geht um viel Geld – da bin ich wachsam. Wenn man dem nicht gewachsen ist, sollte man die Finger davon lassen. Mich als aalglatt, rücksichtslos, eiskalt und zynisch abstempeln – von mir aus, das geht mir am Allerwertesten vorbei. Ich bin in meinem Fach auch Profi, ich drängele mich nur nicht ins Rampenlicht!
Es ist doch wie überall: Jeder ist selber am Ende seines Glückes Schmied.
Und komme mir nun bitte niemand mit Moral. Wie ist denn da der Staat aufgestellt, der die Tabakindustrie zum Aufdruck von Ekelbildern zwingt aber tüchtig die Steuern einsackt? Krokodils-Tränen. Natürlich abgesichert mit diesem „Wir-haben-doch-darauf-hingewiesen“….aber nur zu schön, satt zu profitieren.
Und Showstars als Vorbilder – nun aber mal Butter bei die Fische. Vorbilder sind Elternhaus und in der Erziehung und Bildung ist die Schule am Zug. Der Politiker vielleicht ein Sonderfall, aber nicht der Star vom TV. Öffentliches Ansehen und Auffälligkeit kann man schon trennen. Die Eigenverantwortung, die bleibt doch wohl beim Einzelnen. Wie gesagt: Es muß ja nicht jeder ein Promi sein – und wer danach strebt, begibt sich dahin auf eigenes Risiko. Jeder muß abwägen, wieviel er bereit ist zu geben. Behinderte wollen nicht bedauert werden, Promis schon - wenn es hilft.
Mein Job boomt nach wie vor – aber sicher ist nix. Wie Fabrikarbeiter durch Roboter bedroht sind, die Musik- und Buchindustrie durch das Internet, so lauert für Unsereinen auch Gefahr in der Selbstvermarktung: Das vermaledeite Netz, die Jugend macht sich heute selbst zu Stars. Das ist schon vertrakt. Aber es gibt noch genügend, die uns, dem professionellen Management, vertrauen – Erfahrung macht was, und wer sich sonnen will, muß es scheinen lassen. Ich bin zufrieden, es läuft besser denn je.

Mittwoch, 9. August 2017

BEGEGNUNG AUF DEM FLOHMARKT

Verrechnet – Begebenheit auf dem Flohmarkt
(eine fast wahre Anekdote um abweichende Interessen)
Es ist nun schon ein paar Jahre her, diese Begebenheit. Und wie jeder andere auch, so behalte ich Erfolge besser in Erinnerung als Niederlagen.
Sonnige Flohmärkte locken mich, es sind einige, die mir besonders lieb in meiner heimischen Umgebung sind. Wie schon wiederholt hier bei den Kolumnen und Satiren beschrieben, grase ich dort die Bücherkisten ab, das ist so mein Ziel. Und ich habe, wie auch für DVDs und CDs, eine Bücherkladde dabei, nur im Gegensatz zu den beiden anderen stehen hier die Ausgaben drin, die ich habe und nicht, die ich suche (Ausnahmen gestehe ich ein). Es gibt Autorinnen und Autoren, die mir einfach liegen, und von denen sammele ich weitgehend alles (ersetze abgegriffene Taschenbücher gegen schön Gebundenes und so weiter). Und besonders mag ich, mit Gefundenem (aber gar nicht unbedingt Gesuchtem) meinen Bestand zu ergänzen.
Ich befand mich am besagten Tag an einem „Familienstand“; das sind die angenehmsten, drei Generationen hinter dem voll beladenen Tapeziertisch – und davor, wie von mir gerne begrüßt, Kartons mit Büchern. Und dann sehe ich in einem Karton voller Krimis einen Grisham, eine neuwertige gebundene Ausgabe, ich lege mir dieses toll erhaltene Exemplar, für mich noch ein Zweifelsfall, auf den Rand des Kartons, zücke meine Suchliste und schaue, ob ich diesen Justizthriller schon in gebundener Form habe (es gibt da nämlich eine Vielzahl, die ich auszutauschen gedenke), da stehen neben mir ein relativ junger Vater mit seiner rund zehnjährigen Tochter. Während der aufgekratzte Erziehungsberechtigte mit der jungen Frau vom Stand schäkert, greift sich das liebe Töchterlein „mein“ Buch, also das von mir reservierte, derweil ich ja in meiner Mappe blättere. Ich sage sofort, nein, das laß mal bitte liegen und daß ich es mir vorgemerkt habe, und nur noch nachschaue, sofort ergreift der Vater das Buch, schaut es sich betont langsam an und versucht, die volle Aufmerksamkeit der netten Frau ganz auf sich zu ziehen. „So, was haben wir denn hier? Aha – ein Krischahm, na, der ist ja was wert.“ Feixend sucht er den Zuspruch der Dame. Die kleine Tochter ist irritiert … natürlich sagt sie nichts.
Na, was sind Sie denn bereit zu zahlen?“ wendet er sich nun erhaben an mich direkt. Ich denke, ich höre nicht richtig. Noch mal versuche ich es aufzuklären. „Ich schaue nur noch zur Sicherheit in meiner Kladde nach, ich möchte das Buch schon kaufen, ich habe es eben aus dem Karton geholt und mir auf den Rand gelegt, da ich mit beiden Händen hier nun blättere…“ - „Da kann ja jeder kommen, hat Ihnen meine Tochter das Buch etwa aus der Hand gerissen?“ hebt er rhetorisch aufwallend an und sein selbstgefälliges „Na bitte!“ hängt er postwendend an. Dabei grinst er zu der Frau vom Stand, die zunehmend verwirrt ist, aber der Drecksack will sich partout aufspielen und bleibt am Ball. „Also, was ist es uns denn wert?“
Jetzt überschlagen sich meine Gedanken – soll ich kämpfen, und zwar mit allen Mitteln, mich bei der Verkäuferin vergewissern, daß dieser Vogel nicht von ihr als Verkäufer angestellt ist – dann haben wir einmal vor uns einen Dieb und zugleich einen Hehler. Ich spiele mit dem Gedanken, meinen Dienstausweis zu zücken und mein altes Pokerspiel zu eröffnen. Ich darf das eigentlich gar nicht als Verwaltungsbeamter der Polizei, Amtsanmaßung, aber ich könnte ihn vorführen – die Chance, daß er ein Kollege oder gar Anwalt ist, würde ich durchaus riskieren, das wäre nicht das erste Mal. Das bringe ich fertig.
Andererseits würde ich ihn vor seinem Kind bloßstellen, das kleine dumme Ding weiß eh nicht, was hier gespielt wird. Schaut nur mit offenem Mund dusselig von ihrem selbstherrlichen Vater zu mir und zurück.
Ich will es nicht auf die Spitze treiben – aber sein Spielchen mache ich nicht mit. „Was es Ihnen wert ist, weiß ich nicht, mir wäre es drei Euro wert gewesen – aber bitte“, wende ich mich nun süffisant an die Verkäuferin: „Ihr Kunde – lassen Sie es sich gut bezahlen, ich überlasse Ihnen diesen zahlungswilligen Kunden!“ Und zeige auf den augenrollenden und nun völlig verdatterten, vermeintlichen Verkäufer, der prompt durch mich zum Kunden wird.
Hinter mir höre ich noch seine Irritation, „Verstehen Sie denn keinen Spaß, he SIE, was ist? Hier, kaufen Sie das blöde Buch, kommen Sie zurück!“ Ich schalte auf Durchzug, genieße es, daß er sich nun sicherlich händeringend rechtfertigen muß und hoffe, daß die geleimte Frau zumindest ihre Empörung äußern wird und er seine kratzfüßigen Bemühungen einstellen kann. Wie auch immer, ich kehre nicht um. Natürlich nicht. Diesen Sieg koste ich aus.
Übrigens: den besagten Grisham habe ich, sogar gebunden, wofür also dieser Wind. Aber geärgert hat es mich schon und ich bin Giftzwerg genug zu wünschen, daß dieser Möchtegern auch die Grenze seines Vergnügens überschritten hatte – zufrieden grinsend hakte ich das ab, damals, Jahre her.
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Nein, die Geschichte stimmt natürlich nicht: Es war in Wahrheit ….ein Ostfriesenkrimi von Hans-Peter Wolf, und die habe ich nahezu alle. Immer als günstiges Taschenbuch.

Dienstag, 1. August 2017

Frauenbuchladen

Frauenbuchladen

Eigentlich bringt es nichts, mit Heiner einen Ausflug zu unternehmen, er führt immer was im Schilde, das weiß ich – aber was ich nicht weiß – nun ja, das interessiert mich zuweilen doch.
Wir waren also mal wieder in der Großstadt, hatten gut gegessen und mir schwante schon Übles, weil er so gar nicht fragte, „Und wo jetzt nun hin?“ – er ging einfach vor mit „Wirst schon sehen“, als ich seine Frage nach dem Wohin übernommen hatte. In diesem Viertel mit schummerigen Gässchen war zumindest ich noch nie. Mit seinem schrägen Lächeln wies er auf ein Lädchen in einiger Entfernung. Das Schild verriet mir Anstrengung, ich sah es schon von weitem: FRAUENBUCHLADEN.
Ehe ich meine Nachfrage stellen konnte, erkannte er meine Ahnung und schob sofort ein: „Ich brauche für Janina ein sogenanntes Frauenbuch – also, was liegt näher…?“ Ich wollte zur Richtigstellung anheben, worum es in diesen Läden gehe, nämlich vor Typen wie ihm (ich bin ja nur der Mitläufer) zu schützen. Zu spät. Dann grinste er noch so verschwörerisch und schob nach „Wo wir doch schon mal hier sind – oder?“
Auch meine verzögerten Schritte brachten nichts, wir waren schon in der Tür. Aus dem Augenwinkel überlas ich einen Hinweis, daß MÄNNER gebeten werden…und weiter kam ich nicht, Heiner hatte mich längst vollständig hinein bugsiert.
Verschreckte, ich bin so kühn von angewiderte zu sprechen, Blicke glitten an uns herab. Warum die eine mit der Nickelbrille auf Hüfthöhe verharrte, weiß der Himmel, jedenfalls kam armwedelnd aus dem Regalbereich von hinten eine Buchhändlerin mit Namensschildchen hervor geprescht. „Das geht aber nicht, ich muß Sie höflich aber entschieden bitten…“ und Heiner wiegelte ab: „Kein Problem, wir suchen nur ein Frauenbuch, deshalb hier das Fachgeschäft – haben Sie von Eva Herman …“. Die mit einem Dutt bestückte Ambrosia von Dinkelns, wie ihr Schild verhieß, stand händeringend vor uns – und wirkte nicht mehr energisch, eher leicht verzweifelt.
So geht das nicht, Sie können nicht einfach so dreist…“ Sie würgte noch an dem Namen Eva Herman …
Dreist!? Was erlauben Sie sich, gnädige Frau, da kommt man schon ins Fachgeschäft, fragt nach einschlägiger Literatur, und jetzt wollen Sie uns, sichere Kundschaft, hinausschicken – wie Hunde aus einem Fleischerladen?“ Heiner kam nun mit der aufgekratzten Empörung, das ist sein Ding (also das andere).
Nein, nicht mal als Ausnahme – so geht das nun wirklich nicht!“ Sie wirkte ungehalten, unsere Ambrosia – das mag Heiner. Mir war es schon jetzt zu peinlich, einerseits. Andererseits, es ist doch schön anzusehen, dieses Verzagen; dieses irritierte Bemühen, von unliebsamer und aufdringlicher Anti-Zielgruppe das Lädchen zu säubern.
Haben Sie denn wenigstens im Antiquar was von Esther Vilar?“ Heiner ist nun erregt, also anders, jedenfalls verbittet er sich die zaghaften, für ihn scheinbar zudringlichen Handgreiflichkeiten. „Nicht anfassen, ich muß schon bitten, keinesfalls dürfen Sie mich anfassen!“ Das Brillenfrauchen und eine andere, unterdessen empört aus einem Regalzwischenraum blickende reifere Dame, erdolchen uns mit Blicken des Entsetzens.
Ich verlange sofort den Gleichstellungsbeauftragten zu sprechen! Erst die Juden, nun wir, ja ist es denn schon wieder so weit?“ Heiner kreischt seine Wut in ungekannter Höhenlage. Ich brauche nichts zu tun, zu sagen - nur miterleben. Heiner LIVE. Hysterie vom Feinsten.
Und überhaupt, wo ist eigentlich Ihr Kopftuch? So geht das aber auch nicht!“
Wir sind schon durch mein Zutun an der Schwelle angelangt; und ehe nun eine der Verbündeten die Polizei ruft, beenden wir auf meinen Wunsch den Auftritt. Begütigend versuche ich den vermeintlich überschäumenden Heiner in meinen Armen zu besänftigen.
Hinter uns wird die Tür verschlossen – auch das noch. Man hört sogar einen zusätzlichen Riegel. Na toll. Der ganz große Auftritt also. Geschafft – vorbei.
Du gibst viel zu früh auf“ erzürnt sich Heiner, auf einmal wieder Herr seiner Sinne, weiter bei mir, bevor er in ein seliges Grinsen verfällt, „haste die Maus mit der Brille gesehen – die kramte schon in ihrem Juteumhang nach ihrem Frauen-Not-Telefon!“
Genau“, sagte ich, „und deshalb wurde es auch Zeit zu gehen. Wenn es am schönsten ist, soll man –MAN!- ja gehen, Heiner.“
Ach nein, da war noch mehr drin – ich wollte noch nach DVDs fragen, sind heute doch in jeder Buchhandlung auch erhältlich, ob sie Russ-Meyer-Filme haben, diese ollen Klassiker mit den Atom-Titten, alles noch echt, kein Silikon, der hatte ein Händchen für echte Frauen!“
Ich bin mir sicher, wir waren gerade noch rechtzeitig entkommen.

Dienstag, 4. Juli 2017

Freude an der Justiz




Judikative
Recht und Gerechtigkeit am Beispiel D
Mal ganz abwegig anfangen, um uns auf Deutschland einzustimmen: In der Verwaltungsschule wurde im Staatsrecht noch in den 70ern (Ja-a, richtig kombiniert: Neunzehnhundertsiebziger) die Gewaltenteilung wie folgt gelehrt: Legislative, Exekutive und …Justiz (nicht Judikative, nein-nein, wir haben doch die Erbschuld, schon klar) – das hätte vielleicht mißverständlich sein können, wir mußten gaaanz vorsichtig sein); p.c. ist so ein richtig deutsches Ding.*
Weit hergeholt? Siehe Textanfang! (Aber ich schreibe ja auch nur eine Kolumne, keine rechtsethische Abhandlung.) Worauf ich hinauswill: mit dem Mut ist es in deutschen Landen nicht mehr so weit her, seit „damals“. Und natürlich nach wie vor nicht.
Recht und Gerechtigkeit sind ein archaisches Thema, und bei meiner Juristen-Allergie auch brisantes Gebiet. Aber bei diesem Universalthema erlaube ich mir, wenigstens den vielen Menschen schon aufgefallenen Täterschutz zu nennen (Opferschutz, nein, doch nicht vom Staat – da sind doch die Selbsthilfe Weißer Ring und andere Bürgerinitiativen gefragt).
Was mich seit Jahr und Tag auf die Palme (gut, Buche oder Birke) bringt, ist der Bonus bei Taten unter Drogen, also auch Alkohol – das ist schon fast eine Entschuldigungs-Offerte (nicht gegenüber dem Opfer – zugunsten des Täters natürlich), wirkt sich immer klasse aus für Täter– also strafmildernd. Wird von denen selbstverständlich auch stets so gesehen und begrüßt und erwartet, das ist nach wie vor so üblich und hinreichend klar in den Köpfen. Ich finde aber, die Wirkung ist jedem hinreichend bekannt (mehr Öffentlichkeitsarbeit geht wohl kaum), und wer sich darauf einläßt, handelt mehr als grob fahrlässig, eigentlich schon vorsätzlich – und gerade deswegen müßte es vor der Justiz strafverschärfend wirken! Aber nein, niemals! Und das finde ich unsäglich!
Niemals wäre ich für die Todesstrafe (außer beim sogenannten und gleichwertigen finalen Rettungsschuß, wo ein „Justizirrtum“ unmöglich zu sein scheint) – denn die „Bösewichtinnen und Bösewichte“ sollten nicht so einfach entkommen dürfen. Abschreckung ist nach wie vor das probate Zauberwort, und wo es nicht wirkt, wegsperren (und nicht sozialromantische Abenteuerreisen mit durch und durch bösen jungen Zeitgenossen unternehmen – ein ganz fataler Irrglaube, so einfältig können auch die abgedrehtesten Sozialarbeiter nicht sein, die letztlich aber hier speziell profitieren). Zweite Chance, geht klar, aber doch nicht bei erwiesenermaßen bitterbösen Zeitgenossen welchen Alters auch immer – weg mit denen von der Gesellschaft – und nicht verhätschelnd wieder neu ins unbelastete Wohlleben zurückbringen (das Mord- und Verbrechensopfer bekommt logischerweise auch keine 2. Chance!). Sind diese Traumtänzerinnen und Traumtänzer eigentlich nicht in der Lage sich vorzustellen, es hätte ihre nahen Angehörigen treffen können? Offenbar nicht (in ihrer verblümten Phantasiewelt vielleicht – aber lieber Gott, laß sie mal real konfrontiert sein: Dann möchte ich sie noch mal hören…).
Buße und Sühne auf Erden! Aber richtig, kein Erholungsheim auf Zeit, mit allen Chancen der Fortbildung für weiteres fehlgeleitetes asoziales Handeln. Abschrecken, nicht abhaken, nicht dieses „nun ist alles wieder gut, ach, das kriegen wir wieder hin, wertvolles Mitglied der Gesellschaft ist machbar“, das ach so unglücklich vom Wege abgekommene Menschlein war doch nunmehr so brav in der Obhut, also nichts wie raus aus der „Zumutung JVA“ – daß ich nicht lache! Das Opfer wurde schicksalhaft erwischt: Den Verursacher sollte durch die Gesellschaft sein Schicksal ereilen – wenigstens ein Ansatz für einen Ausgleich. Und straffällige Migranten sollten genau dorthin zurück, wo sie hergekommen sind; wieso diese Überlegungen, es könnte ihm dort ein Härchen gekrümmt werden – ich höre wohl nicht richtig??? Wird es uns nicht immerzu vor Augen geführt, wie man uns für die absurd lasche Behandlung verhöhnt, wo für gutes Geld fit agierende Rechtsverdreher (und schon gerade Strafverteidiger: skrupellos, schamlos, ohne Gewissen) immer irgendwelche Formmängel aufstöbern und sich prozeßtaktisch ins Fäustchen lachen, an unser sich auch damit selber zerstörendes Land keinen Gedanken verschwenden, nur den lukrativen Reiz verspüren, für gutes Geld mal wieder einen Lümmel rauszuhauen? Sie machen nur ihren Job, heißt es – ohne Moral finde ich dieses Gesindel! Muß sich Deutschland international derart lächerlich machen? TäterInnen und Täter – auch vorwiegend das Ausland, können uns doch nur verhöhnen. Mitunter ist es so peinlich, Deutscher zu sein. Und dann wundern wir uns, daß man uns nicht ernst nimmt in der Welt – außer als Zahlemann, natürlich, da zählen wir voll und ganz, mehr denn je.
Auf den groben Klotz gehört….da fällt mir der Komiker Jonny Buchardt ein, der den Witz schon in den 60ern (…gee-nau, neunzehn) im Programm hatte, wo einer etwas nicht begreift, und dann wird es ihm eingeprügelt und es klappt auf einmal, und auf die Frage, wieso jetzt erst „Vorher wurde es mir ja nicht richtig erklärt“ antwortet. Schrecklich? Die Realität kann schrecklich sein. Macht kaputt was Euch kaputt macht / Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo sie die des anderen begrenzt etc. – wir müssen nicht dulden, was unseren Staat (also UNS) zerstört. Ja wird unser Land denn erst wieder zu spät wach, diesmal aus dieser sozialromantischen Verklärung (um Himmels willen international bloß nicht mehr negativ rüberkommen). Es staut sich auf. Wird es erst dann ein bitterböses Erwachen, wenn andere Kräfte ans Ruder kommen – die breite Masse der schweigsamen Bevölkerung rennt längst mit einer Faust in der Tasche durch den Alltag. Es brodelt! Wird das nicht erkannt? Ich sehe doch glasklar seit Jahrzehnten diesen moralischen Verfall. Und wer auch regiert, völlig egal: früher oder später ist der eigene Geldsack unverkennbar das eigentlich wirkliche Interesse. Wie die Pfaffen: Wasser predigen und Wein saufen. Ich empfinde „unser Klima“ nur noch als: „Rette sich, wer kann“ und „Heiliger Sankt Florian…“.
Das Neue Testament ist sicherlich nett und interessant mit der „Wangenshow“, das AT sprach aber viel mehr das reale Leben an mit „Auge um Auge“, also ganz menschlich und nicht illusorisch, verklärt und verträumt. Sie meinen sicher gutgläubig, das sei doch eine Gewaltspirale, der nur zu entkommen ist, wenn eine Seite nachgibt – komisch, ich sehe immer nur die eine Seite nachgeben (der Klügere gibt nach? Der Dümmere!)…Richtig saftig Missetaten sanktionieren, mal Mist gemacht, Schuß vor den Bug und zwar gleich richtig, und im Wiederholungsfall ganz heftig rannehmen – und dann aber, und schon gerade bei Gewaltverbrechen: das Recht, Teil der Gemeinschaft zu sein, ist verwirkt – wegschließen, aber endgültig! Und Sicherheitsverwahrung könnte teilweise entfallen, da ohnehin hinter Schloß und Riegel zu verbleiben ist. Lebenslang muß auch wirklich lebenslang sein! Das Mordopfer kommt auch nicht wieder! Jeder weiß es – und wer es ausreizen will, bekommt die Arschkarte – ich habe fertig, auf Nimmerwiedersehen. Unumkehrbar entfernt aus dem Spiel des Lebens. Die ganze vielzitierte Härte des Gesetzes konsequent umsetzen und nicht als schale zigfache Androhung in dieser Gebetsmühlenschleife (Nachsicht und Gnade sind der falsche Ansatz). Hier, voll ausgeschöpft, die auf Erden bemessene Zeit Gelegenheit zur Besinnung verschaffen – nur das wäre angemessen! Jeder sollte es wissen – und handelt unbedingt eigenverantwortlich. Zu Katalogen von Vorstrafen darf es gar nicht erst kommen – wenn ich nur VORstrafe höre …
Aber nein, einfühlsame Gespräche, blümerantes Gesäusel, Gehätschel hier, Arschgelecke da (ob man sich nicht unter Umständen vielleicht doch vorstellen könne, ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sein – na? Geht doch noch mal in Euch, liebe StraftäterINNEN, bitte-bitte) – es ist eine Schande – vor allem: Eine unbedingte Verhöhnung der Opfer! Es ist doch nicht Aufgabe der Gesellschaft, den Nichtsnutz (und die „Nichtsnutzin“ genau so) wieder einzugliedern, was für ein fataler Gedankengang: Diese Unperson hat sich zu bemühen – und zwar nach Strich und Faden Wiedergutmachung bis zur Selbstaufgabe (und schon gerade damit) alles zu geben und zu tun. Ungeschehen ist nichts mehr zu machen, aber mit Schulterzucken abtun und „Schwamm drüber“ zu gewähren – ich fasse es einfach nicht. Ach Gottchen, da könnte am Ende wohl noch ein gebrochener, verzagter Mensch dahindämmern – verflucht: genau das sollte das Ziel sein! Buße hier und für immer – und nicht auf Gottes gerechte Strafe hoffen – „hier unten sind wir zuständig“! Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß Richter Angst vor Repressalien haben. Anders ist dieses lachhafte „IM NAMEN DES VOLKES“ von gerade diesem selber nicht nachzuvollziehen. Wie kann man diese dubiose Milde nur vor Angehörigen der Opfer rechtfertigen??? Diese Skandale vernehme ich geradezu regelmäßig bei spektakulären Straftaten und noch kühneren Wattebäuschchen-Urteilen. Achten Sie mal genau auf die Rechtsprechung – also ich komme aus dem Kotzen gar nicht mehr heraus. Vergeltung und Wut sollen keine guten Ratgeber sein? Aber sie sind faire Quittungen!
Leute! Es gibt den eisernen Besen – und ich fürchte, es wird noch gekehrt werden und das Erwachen kann nur ein Grauen sein. Die große Gesellschaftsreform gehört in der Justiz angepackt – unverzüglich, und zwar dort zuerst!!!
Ich widme diesen Text folgenden Buchautoren und Mahnern unserer Zeit:
Jugendrichterin Kirsten Heisig (Das Ende der Geduld)
Journalist Joachim Wagner (Richter ohne Gesetz)
Jugendrichter Andreas Müller (Schluß mit der Sozialromantik)
Politiker Heinz Buschkowsky (Die andere Gesellschaft)


*Und noch alberner: In der Sexta lernten wir die 10 Wortarten, alle auch schön auf Latein – außer Artikel (denn „Geschlechtswort“, das durfte schließlich nicht sein, 1960!)

Mittwoch, 21. Juni 2017

Zur Zeit …aus meinen Aufzeichnungen

Zur Zeit…
(düt un‘ dat – wieder mal aus meinen Aufzeichnungen)


Türkische Schlagzeile
Erdogan erklärt: DAS CHRISTENTUM GEHÖRT ZUR TÜRKEI!“
(na gut, vielleicht gar nicht so witzig, nüchtern betrachtet…)


Amerikas beste Gesellschaft
Trump hat erlesene Berater, von allem nur das Beste vom Besten, ist ja völlig klar – und in sein persönliches Umfeld gehören nur die edelsten Prostituierten ….(wie bitte?)
Korrektur – ich höre gerade, daß zu seinem privaten Umfeld seine Ehefrau und die Töchter gehören – natürlich (man darf einfach nicht nach dem äußeren Anschein gehen)!


50 Jahre Sgt. Pepper
Ich kenne mich genügend in dem Metier aus: Das Beatles-Album „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“ gilt als richtungweisend und wird unablässig seit 1967 als DAS Popalbum schlechthin gerühmt.
Für mich ist das Gewese auch zu diesem großen Jubiläum nach wie vor schleierhaft – noch nie konnte ich dieses Machwerk ertragen, diesen infantilen Trullala-Singsang, verfremdet durch indisches Geschwurbel und schräge Kirmes-Kakophonien. Das Zeug war noch nie mein Fall.


Befremdliche Erkenntnis
Mediziner und Psychologen sind sich einig: JURISTEN SIND AUCH MENSCHEN.
(Daran erkenne ich, daß die Wissenschaft nicht unbedingt mit meiner eigenen Erfahrungen übereinstimmt.)


Leute gibt’s
Im Radio hörte ich neulich einen Kriegsberichterstatter in einem Interview. Alles gipfelte in dem Satz: „Ein guter Tag ist, wenn auf mich geschossen wird und keiner trifft!“
Hammer, oder? Nun weiß ich ja, daß Menschen von heute herauskitzeln wollen, wo ihre Grenzen sind und vermeinen spüren zu müssen, daß sie leben. Das lasse ich mal so stehen, denn sowas konnte ich noch nie nachvollziehen. Es werden also penetrant „spannende“ Herausforderungen gesucht. Gut, wir haben hier in unserem Europa keine Kriege (mehr), und die Gefahr, vom Säbelzahntiger gerissen zu werden, ist schon länger rückläufig.
Nun erkenne ich aber im Alltag das unentwegte Glotzen auf kleine Gerätchen in den zappeligen Händen beim Überqueren von Straßen und überhaupt überall, wo sich meine Mitmenschen bewegen. Das könnte evtl. auch noch ein Bereich zur natürlichen Auslese werden, warten wir mal ab.


Samstag, 3. Juni 2017

Das Höschen

Das Höschen
(eine ganz alte Anekdote)
Jeder hat ja so seine unvergeßlichen Anekdoten aus dem wirklich wahren Leben. Diese hier erzähle ich besonders gerne, weil ich finde, ich komme prima darin weg!
Das muß so Mitte der achtziger Jahre (also 1980er, meine Güte – was glauben Sie denn, wie alt ich bin???) gewesen sein. Vorausschicken muß ich, daß ich nicht gut wegwerfen kann, alles ist, wenn noch nicht total hinüber, immer noch für etwas gut – also, finde ich.
Meine Frau hatte Wäsche aussortiert, da wurde ich dann immer noch fündig. Gerade rund ums Auto kann man nicht genug Lappen haben, meine Meinung. Jedenfalls war auch ein Frottee-Höschen dabei, Bündchen nicht mehr einwandfrei, auch an einem Bein leicht der Saum aufgeribbelt. Gut und schön, für die Fenster noch brauchbar. Meine Frau war nach guter alter Art noch von der Einstellung beseelt, man könnte ja auf einmal ins Krankenhaus kommen…
Szenenwechsel. Nach längerer Zeit war die Autoinspektion fällig – die Zulassung ins Handschuhfach, wie immer. Jetzt genießt man ja bei den Herren Schraubern als Verwaltungsbeamter nicht gerade ein respektvolles Ansehen. Aber siehe da, ich komme den Wagen abholen, nach dem Büro gehe ich in den Werkstatthof, freundliche laute Grüße, herzliches Lächeln – was war nur los???
Ich stieg in meinen Wagen – und da wurde ich es gewahr: auf dem Beifahrersitz war das Höschen meiner Frau liebevoll drapiert …es muß wohl aus dem Handschuhfach gefallen sein, als man die Zulassung herausnahm. Zwei Monteure standen feixend und grinsend am Tor – der eine winkte sogar (der nahm irgendwie schon damals die Carglass-Reklame vorweg). Sei es drum, ich fuhr seitdem gerne zur Autowerkstatt, genoß ich doch auf einmal eine besondere Anerkennung.
Meine Frau hat auch bis zu ihrem Tode nichts davon erfahren. Es war irgendwie doch ein „Männer-Ding“. Nun ja, wenn ich ihr heute diese Geschichte am Grab vorlesen würde, ich glaube, sie würde sich sprichwörtlich darin umdrehen.

Dienstag, 30. Mai 2017

Schicksal spielen

Schicksal spielen
(irgendwas tut sich jedenfalls)
Damit sich Männlein und Weiblein treffen, bedarf es oft nur eines Anstoßes. Dies aber als Helfer selber in die Hand zu nehmen, davon wird allgemein abgeraten – es führe zu nichts, heißt es. Vor drei Jahren sahen wir das ganz anders (und heute noch anders).

    Wir alle kennen doch diese Mauerblümchen und solch sture Sonderlinge, Eckensteher meinetwegen. Zu unserem alljährlichen Gartenfest kommen rund 30 Leutchen, zum einen haben wir eine solide Grundbesetzung aus Freunden, Bekannten und Nachbarn - und hinzu kommt dann der eine oder andere neue Gast. Und zum festen Bestandteil, ich möchte genauer sagen: harten Kern gehört unabänderlich jedes Jahr „die UniversalGÄSTIN“ Rosemarie, die mit ihrer kleinen Tochter (wie sie an die gekommen ist, wird mir immer schleierhaft bleiben) irgendwie als Hausrat mit in unsere Beziehung eingedrungen ist (wenn es nur das Gartenfest wäre, wo sie mich nervt…sie läuft indes jedes Wochenende hier auf) – und der finstere Blick ihrer Brut macht mir geradezu Angst. Ein Horror von einem Mädchen. Mandy. Ich spreche es gerne nur in Gegenwart meiner Frau buchstabengetreu aus – M.A.N.D.Y. – klingt nach „Mann-DIE!“. Rosemaries Thema sind die Männer von ihrer schäbigsten Seite, dennoch sucht sie unverzagt weiter. Ständig höre ich von ihr „Wie geil ist das denn“ wenn ihr mal etwas gefällt, was selten der Fall ist, häufiger hingegen „Das geht ja gaaar nicht“ wenn sie was mißbilligt, und das liegt ihr schon eher. R. ist anstrengend und voller Tattos und Piercings, nach allen Regeln der Kunst auf der Höhe der Zeit sozusagen – aber sie bleibt allein mit Mandy. Was mich am allerwenigsten wundert.
 
   Zu den zahlreichen Freundinnen und Bekannten stieß vor drei Jahren mein Kollege Erwin hinzu, ProfiSINGLE wider Willen. Es war also meine Idee, gut und schön. Erwin ist ein Rotfuchs, ein schräger Vogel mit frecher Klappe und beinhart auf der Langlaufschiene sein Leben verplempernd. Es heißt, wer viel rennt, der läuft vor irgendwas davon – bei Erwin stimmt es haargenau. Aber er ist zuverlässig, das halte ich für seinen Trumpf! Sein Name reizt ein wenig zum Davonlaufen, ich spreche ihn „Örving“ aus, klingt wenigstens wie ein Bestsellerautor.

     Rosemarie wußte ein wenig von meiner Frau über E., Erwin instruierte ich gleich bei seiner Ankunft – „Schau unauffällig hin – paß auf, der Tisch neben der Terrasse, die mit der kleinen Tochter (ja, mein Gott, Piercing und Tattoo – na und – schau doch mal näher!)– aber paß auf Dein freches Maul auf! Halt die Gosche, klar?“ Erwin versteht nur klares Deutsch.

     Erwin setzte sich in unmittelbare Nähe zu Rosemarie. Und er wurde sofort fixiert, von Mandy. Hoffentlich hatte er gegrüßt, denn Erwin führt Befehle konsequent aus und ich hatte das nicht betont. Ich sah es, er hielt offenbar penetrant die Klappe.

     Und dann geschah, was keiner ahnen konnte: Sie saßen stumm beieinander, und auf einmal fischte Rosemarie aus ihrer Tasche eine Zigarette – mir fiel fast das Weinglas aus der Hand, mein Gegenüber schien seine an mich gerichtete Frage nochmals zu wiederholen und stieß mich leicht an – aber ich mußte es einfach genau sehen: Die Nichtraucherin Rosie machte auf cool und begab sich auf eine endlose Suche nach Feuer, kramte in der Tasche, wartete verunsichert auf galante Hilfe von Erwin. Der schaute stur in die Augen der ihn unablässig musternden Mandy – es tat sich nichts – wie auch: Erwin ist nicht nur Nichtraucher, er ist Feind aller Rauchartikel und wenn er was nicht dabei hat, dann gewiß Zündhölzer oder Feuerzeug. Für Erwin war die Nummer durch, auf einmal trottete er zum Grill, nahm sich gebratenes Gemüse (ja, für den Herrn Vegetarier hatten wir auch daran gedacht) und eine große Flasche Wasser und tauchte irgendwie unter.

     Rosemaries Zigarette brannte unterdessen, sie mußte allerdings recht viel husten und schob es auf den Grill, wie mir meine Frau später kichernd versicherte. Sie hatte der Sache eh keine Chance eingeräumt und macht auch kein Drama daraus, sie kannte ja Rosemarie.

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     Auf wundersame Weise hing Rosemarie seitdem nicht mehr bei uns herum, ich wagte kaum unser Glück zu glauben und sprach es erst gar nicht an, um eine Fortsetzung der von mir empfundenen Belästigung zu unterbinden. Erwin hatte kurz darauf die Stelle gewechselt, konnte nun als Vertreter viele andere Sportvereine aufsuchen und dort seiner seligmachenden Wetzerei frönen (lauf doch zur Hölle, Du Sack).

     Vor kurzem hat Rosemarie per Karte mitgeteilt in sechs Wochen zu heiraten, wir sind dazu eingeladen! Ich bin von den Socken. Wie das? Rosemarie hatte also Feuer bekommen, auf unserem Gartenfest, aber das haben wir dann gar nicht weiter beachtet. Ein langjähriger Gast, ein befreundeter Nachbar, der sie schon sehr lange im Visier hatte, hatte sich ein Herz gefaßt, und so soll es begonnen haben, erzählte sie meiner Frau – und der Tollkühne nahm sogar „Mann-Die!“ in Kauf. Sie soll nun lieblich dreinschauen, heißt es, na, ich werde es ja sehen.