ICH, der giftzwergMÄÄN, habe auch DICH im Auge! Eigentlich UNS alle.
Mein giftiger Stinkefinger ist die boshafte Kolumne/auch Satire, zuverlässig "politisch inkorrekt" *
- ein Ventil zum Alltäglichen in unserer Zeit u. Welt. Und natürlich bin ich, wie jeder andere auch, in letzter Konsequenz mitunter widersprüchlich. Das ist unumgänglich - niemand ist frei davon!
Es geht hier nicht in erster Linie um die ganz großen Themen der Zeit/Probleme der Menschheit - die tagtäglichen Ärgernisse sind es, die bei mir nach einem Regulativ schreien – Berichte aus einer oft schon recht madigen Welt.
Gut, ich könnte es abperlen lassen, cool darüber stehen, den "Geht-Mich-Nix-An" mimen, man kann es zeitgemäß optisch und akustisch verdrängen, damit es einen nicht krank macht – Ohrstöpsel, Glotze, die heute gängigen Ablenkungen also. Oder hier, mein Versuch: Einfach mal auskotzen - mich ohne Bedenken und bangevolle Rücksicht freimachen - für das eigene Dasein eine Schadensbegrenzung vornehmen - nach dem Motto "Alles muß raus!" Das kann sooo gut tun, mir behagt das letztlich.

Aussprüche, die mir hierbei helfen:
"Das ist der ganze Jammer: die Dummen sind so sicher und die Gescheiten voller Zweifel."
(Bertrand Russell)
Ich sage: gehen wir hin und zweifeln alles an, Grund genug besteht!
"Satire darf alles" meinte Tucholsky's Kurtchen.
Das hatte ich lange Zeit bezweifelt, unter Vorbehalt gesehen, aber jetzt sage ich:
Gut, der Mann!

*political correctness ... soll ein Fremdwort bleiben


Dienstag, 1. August 2017

Frauenbuchladen

Frauenbuchladen

Eigentlich bringt es nichts, mit Heiner einen Ausflug zu unternehmen, er führt immer was im Schilde, das weiß ich – aber was ich nicht weiß – nun ja, das interessiert mich zuweilen doch.
Wir waren also mal wieder in der Großstadt, hatten gut gegessen und mir schwante schon Übles, weil er so gar nicht fragte, „Und wo jetzt nun hin?“ – er ging einfach vor mit „Wirst schon sehen“, als ich seine Frage nach dem Wohin übernommen hatte. In diesem Viertel mit schummerigen Gässchen war zumindest ich noch nie. Mit seinem schrägen Lächeln wies er auf ein Lädchen in einiger Entfernung. Das Schild verriet mir Anstrengung, ich sah es schon von weitem: FRAUENBUCHLADEN.
Ehe ich meine Nachfrage stellen konnte, erkannte er meine Ahnung und schob sofort ein: „Ich brauche für Janina ein sogenanntes Frauenbuch – also, was liegt näher…?“ Ich wollte zur Richtigstellung anheben, worum es in diesen Läden gehe, nämlich vor Typen wie ihm (ich bin ja nur der Mitläufer) zu schützen. Zu spät. Dann grinste er noch so verschwörerisch und schob nach „Wo wir doch schon mal hier sind – oder?“
Auch meine verzögerten Schritte brachten nichts, wir waren schon in der Tür. Aus dem Augenwinkel überlas ich einen Hinweis, daß MÄNNER gebeten werden…und weiter kam ich nicht, Heiner hatte mich längst vollständig hinein bugsiert.
Verschreckte, ich bin so kühn von angewiderte zu sprechen, Blicke glitten an uns herab. Warum die eine mit der Nickelbrille auf Hüfthöhe verharrte, weiß der Himmel, jedenfalls kam armwedelnd aus dem Regalbereich von hinten eine Buchhändlerin mit Namensschildchen hervor geprescht. „Das geht aber nicht, ich muß Sie höflich aber entschieden bitten…“ und Heiner wiegelte ab: „Kein Problem, wir suchen nur ein Frauenbuch, deshalb hier das Fachgeschäft – haben Sie von Eva Herman …“. Die mit einem Dutt bestückte Ambrosia von Dinkelns, wie ihr Schild verhieß, stand händeringend vor uns – und wirkte nicht mehr energisch, eher leicht verzweifelt.
So geht das nicht, Sie können nicht einfach so dreist…“ Sie würgte noch an dem Namen Eva Herman …
Dreist!? Was erlauben Sie sich, gnädige Frau, da kommt man schon ins Fachgeschäft, fragt nach einschlägiger Literatur, und jetzt wollen Sie uns, sichere Kundschaft, hinausschicken – wie Hunde aus einem Fleischerladen?“ Heiner kam nun mit der aufgekratzten Empörung, das ist sein Ding (also das andere).
Nein, nicht mal als Ausnahme – so geht das nun wirklich nicht!“ Sie wirkte ungehalten, unsere Ambrosia – das mag Heiner. Mir war es schon jetzt zu peinlich, einerseits. Andererseits, es ist doch schön anzusehen, dieses Verzagen; dieses irritierte Bemühen, von unliebsamer und aufdringlicher Anti-Zielgruppe das Lädchen zu säubern.
Haben Sie denn wenigstens im Antiquar was von Esther Vilar?“ Heiner ist nun erregt, also anders, jedenfalls verbittet er sich die zaghaften, für ihn scheinbar zudringlichen Handgreiflichkeiten. „Nicht anfassen, ich muß schon bitten, keinesfalls dürfen Sie mich anfassen!“ Das Brillenfrauchen und eine andere, unterdessen empört aus einem Regalzwischenraum blickende reifere Dame, erdolchen uns mit Blicken des Entsetzens.
Ich verlange sofort den Gleichstellungsbeauftragten zu sprechen! Erst die Juden, nun wir, ja ist es denn schon wieder so weit?“ Heiner kreischt seine Wut in ungekannter Höhenlage. Ich brauche nichts zu tun, zu sagen - nur miterleben. Heiner LIVE. Hysterie vom Feinsten.
Und überhaupt, wo ist eigentlich Ihr Kopftuch? So geht das aber auch nicht!“
Wir sind schon durch mein Zutun an der Schwelle angelangt; und ehe nun eine der Verbündeten die Polizei ruft, beenden wir auf meinen Wunsch den Auftritt. Begütigend versuche ich den vermeintlich überschäumenden Heiner in meinen Armen zu besänftigen.
Hinter uns wird die Tür verschlossen – auch das noch. Man hört sogar einen zusätzlichen Riegel. Na toll. Der ganz große Auftritt also. Geschafft – vorbei.
Du gibst viel zu früh auf“ erzürnt sich Heiner, auf einmal wieder Herr seiner Sinne, weiter bei mir, bevor er in ein seliges Grinsen verfällt, „haste die Maus mit der Brille gesehen – die kramte schon in ihrem Juteumhang nach ihrem Frauen-Not-Telefon!“
Genau“, sagte ich, „und deshalb wurde es auch Zeit zu gehen. Wenn es am schönsten ist, soll man –MAN!- ja gehen, Heiner.“
Ach nein, da war noch mehr drin – ich wollte noch nach DVDs fragen, sind heute doch in jeder Buchhandlung auch erhältlich, ob sie Russ-Meyer-Filme haben, diese ollen Klassiker mit den Atom-Titten, alles noch echt, kein Silikon, der hatte ein Händchen für echte Frauen!“
Ich bin mir sicher, wir waren gerade noch rechtzeitig entkommen.

Kommentare:

  1. hmmm...ich versuche mir das gerade vorzustellen. Also Frauenhäuser, dass kann ich ja verstehen, auch wenn ich die Situation nicht kenne, aber einen Buchladen in den nur Frauen rein dürfen. Frage mich ob sowas wirklich sein muss, denn wie wollen diese Frauen denn in der realen Welt überhaupt bestehen. Es gibt nun mal beide Geschlechter, und selbst bei schlimmen Erfahrungen sollten die Frauen nicht vergessen dass nicht alle Männer gewaltätig sind.

    Finde ich die Provokation von Heiner gut...ein wenig grinsen musste ich am Anfang, aber Gott sei Dank warst du dabei und hast rechtzeitig die Leine gezogen. Gerade das mit den Filmen wäre doch eindeutig zu weit gegangen (auch wenn ich tolerant bin).

    Herzliche Grüsse

    N☼va

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  2. Liebe Nova - nie gehört? - kannst Du bitte mal googeln! Sie sterben aber aus durch Internet - zuvor ließen einige doch tatsächlich auch Männer hinein! Übrigens: als Frauenbelästiger würde ich auch gerade in eine Buchhandlung gehen! Ist schon seltsam und auch ein wenig gestört - meine Meinung.
    Hier heute wieder sonnig - das tut gut! Lieben Gruß, WW-Wolfgang

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    1. Neee, habe ich wirklich nicht und werde ich gleich mal machen. Kann ich dir nur zustimmen^^

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Danke! ;)